Tuesday, May 15th, 2007 01:43 by
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Es war sicherlich kein guter Griff, als man ausgerechnet den Ägyptologen Adolf Erman mit der Abfassung des Artikels über den Jesuiten Athanasius Kircher in der „Allgemeinen Deutschen Biographie” (Bd. 16, 1882) betraute: gerade als ob dieser eigenartige, nur sich selbst gleiche Mensch ausschließlich als Ägyptologe, der er auch war, zu begreifen wäre! Durch Erman ist jedenfalls Kircher bedauerlicherweise in neuerer Zeit schwer in Verruf gebracht worden wie im 18. Jahrhundert schon einmal durch die satirischen Anekdoten des Johann Burkhard Mencken (Menckenius) in dessen Spottschrift ,,De charlata-neria (!) eruditorum declamationes duae” (Leipzig 1715, Amsterdam 1727 u. ö.), worin dieser die Schwächen der Gelehrten seiner Epoche (darunter auch die Kirchers) geißelte und sich einen billigen Ruhm weit über Deutschlands Grenzen hinaus verschaffte. Den Geruch eines marktschreierischen Schwindlers ist Kircher seitdem nicht mehr losgeworden bis in die jüngste Zeit hinein: offenbar hat sich auch Erman durch Menk-kens Verunglimpfung anstecken lassen. In Wirklichkeit ist der jesuitische Gelehrte eine hochbedeutende und auch untadelige Persönlichkeit gewesen. Die von Mencken über Kircher auf getafelten Histörchen (4. Aufl., S. 80f.) sind durchaus nichtssagend1); das Komischste am ganzen Buche ist der Titel, über dessen „barbarům Charlataneriae vocabulum” sich der Verfasser auf S. Ilsq. zu rechtfertigen sucht, und die dem Ganzen vorausgeschickte, ein ‘Theater’ (der Gelehrten) darstellende Bildtafel mit der bezeichnenden, in gewollt kurioser Orthographie abgefaßten Überschrift „Muntus fuld tezibi” (= ,,Mundus vult decipi”). 